Mark Eisenegger, Katharina Bochsler, Christian von Burg, Nicole Probst Hensch und Andrea Fischli (von links).

Mediennews

05.12.2025

Abschied vom «Wissenschaftsmagazin»

Im März 2007 wurde das «Wissenschaftsmagazin» zum ersten Mal ausgestrahlt – live und vor Publikum. Daran knüpfte die SRF-Wissenschaftsredaktion an und zeichnete am Donnerstag, 4. Dezember, auch die letzte Ausgabe der Sendung vor Publikum auf. Trotz grosser Proteste von Wissenschaftlern und Forschenden in der ganzen Schweiz streicht SRF die Sendung aus dem Programm. Der Grund: Der Sender hat künftig deutlich weniger Geld zur Verfügung, weil Bundesrat Albert Rösti die Empfangsgebühren schrittweise auf 300 Franken pro Jahr senkt.

Katharina Bochsler und Christian von Burg diskutierten in der letzten Sendung mit der Basler Epidemiologin Nicole Probst-Hensch und dem Zürcher Medienwissenschafter Mark Eisenegger sowie mit Andrea Fischli, der Co-Leiterin der Wissensredaktion von SRF. Er sei traurig über die Einstellung des «Wissenschaftsmagazins», erklärte Eisenegger. «Der Wissenschaftsjournalismus hat in der Schweiz nur noch einen Anteil von zwei Prozent und nur noch 15 Prozent davon seien einordnend. Deshalb ist er auch nur halb zufrieden, dass die Wissensredaktion, wie es Andrea Fischli ausdrückte, «mit unseren Leuten weiterhin viele Leute erreichen» wolle. Ab dem 12. Januar wird das «Echo der Zeit» jeden Montag eine Wissensrubrik «Echo Wissen» ausstrahlen. Die Beiträge werden 6 bis 10 Minuten lang sein und auch Themen ausserhalb der Aktualität aufgreifen.

Hensch und Eisenegger betonten, dass der Wissenschaftsjournalismus auch eine Watch-Dog-Funktion habe: «Unsere Arbeit ist mit Steuergeldern finanziert. Es ist deshalb wichtig, dass uns auch jemand auf die Finger schaut», erklärte Epidemiologin Hensch. Eisenegger fürchtet, dass die Konzentration des Wissenschaftsjournalismus auf Nachrichtengefässe zum Problem wird für Wissensthemen ohne Aktualitätsbezug. «Wissenschaftsthemen haben oft keinen Nachrichtenwert. Die nischigeren Themen könnten aussen vor bleiben.» 

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In der Diskussion mit dem Publikum meldete sich unter anderen Köbi Gantenbein zu Wort, der eine Petition für den Erhalt des «Wissenschaftsmagazins» gestartet hatte. «Das Wissenschaftsmagazin war ein Stück Heimat für uns», erklärte er. «Jetzt haben wir diese Heimat nicht mehr. Wir gehen in die Emigration.» Er bat darum, die verstreut publizierten Wissensinhalte künftig zu einem Wissenspodcast zusammenzufassen. ETH-Klimawissenschaftler Reto Knutti betonte, wie wichtig die Kompetenz der Wissenschaftsjournalist:innen sei und wie notwendig eine Berichterstattung, die über Kurzfutter hinausgehe. «Nicht nur der Wissenschaftsjournalismus steht unter Druck, sondern auch die Wissenschaft», erklärte er. Auch andere Wissenschaftler im Publikum befürchteten, dass die Tiefe künftig fehlen werde. «Es ist beschämend, dass die Schweiz es nicht zustande bringt, eine halbe Sunde pro Woche über Wissenschaftsthemen zu berichten», meinte einer der Wissenschaftler. 

Die Streichung des Wissenschaftsmagazins ist eine Folge der Gebührensenkung, die Bundesrat Albert Rösti per Verordnung beschlossen hat: Bis 2029 wird die Empfangsgebühr auf 300 Franken pro Jahr gesenkt. Für die SRG hat das eine Kürzung des Budgets um rund 270 Millionen Franken pro Jahr zur Folge. SRF nimmt deshalb eine Umstrukturierung vor und will Wissenschaftsthemen in die tagesaktuelle Berichterstattung integrieren. Das Wissenschaftsmagazin wurde gestrichen, um die Wissenschaftsredaktion zu verkleinern und Ressourcen umzuschichten.

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