«Auf wenig Platz möglichst viel Inhalt möglichst verständlich rüberzubringen, das ist die Kunst des Journalismus»: Sascha Britsko (Bild: Florian Spring)

Mediennews

11.02.2026

«Genau hinschauen, um Dinge zu sehen, die andere übersehen»

Jeder Schritt zu einer Geschichte ist für Sascha Britsko mit Kreativität verbunden. Manchmal bedeutet kreativ sein auch, die Pläne über den Haufen zu schmeissen.

Von Bettina Büsser

Sie ist am Vortag aus der Ukraine zurückgekommen, wo sie über den Alltag von Jugendlichen im Krieg recherchiert hat. «Es war eindrücklich. Es gab viele Angriffe auf Kyjiw, es war immer wieder aufwühlend », sagt Sascha Britsko.

Britsko ist in der Ukraine geboren, mit sieben Jahren kam sie in die Schweiz. Heute ist sie 30, hat an der ZHAW Winterthur studiert, ein Volontariat bei der NZZ absolviert und arbeitet seit 2021 als Reporterin. Mittlerweile zu 40 Prozent beim «Magazin» und zu 40 Prozent im Ressort Zürich des «Tages-Anzeigers». Deshalb schreibt sie sowohl lange Texte wie auch kürzere Artikel.

Braucht es auch für kurze Meldungen Kreativität?

«Für mich ist es die grosse Kunst des Journalismus, auf wenig Platz möglichst viel Inhalt möglichst verständlich rüberzubringen, so dass sich die Leute daran erinnern. Und das braucht Kreativität», sagt Britsko. Auch für kleinere Geschichten lohne es sich, für die Informationsbeschaffung neue Personen zu suchen, genau hinzuschauen, um vielleicht Dinge zu sehen, die andere übersähen. «Ich versuche, wenn möglich, die Komik von Situationen herauszuarbeiten oder auf humorvolle Art zu beschreiben. Wenn jemand einen Text liest und schmunzeln muss, wird er sich eher daran erinnern.»

Neue Erzählformen ohne KI

Für Britsko ist jeder Schritt zu einer Geschichte mit Kreativität verbunden. Das beginnt bei der Recherche: «Wer nur die gängigen Quellen verwendet, wird auch nur die gängigen Informationen erhalten.» Bei der Planung des Textes gehe es dann darum, dass man die Geschichte vielleicht nicht so erzähle, wie man es im Studium gelernt habe. Britsko probiert gerne neue Erzählformen aus, etwa einen Mix aus Fliesstext und Interview: «Es ist eine gute Variante, um einen Bruch in den Text hineinzubringen und Nähe zu schaffen, weil man die Leute direkt hört.»

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Davon, mithilfe von KI eine Geschichte zu erzählen, hält sie nichts: «Sie wird dir einen Vorschlag für einen Text liefern, der sich wenig von anderen Texten unterscheidet.» Kreativ sei das nicht. Aber KI könne, wenn man bereits wisse, was man wolle, und gut prompte, hilfreich sein. Und Zeit sparen. Zeit ist ein Thema, das Britsko im Zusammenhang mit Kreativität mehrmals erwähnt. «Leider sind wir im Journalismus fast immer unter Zeitdruck», sagt sie. Das habe auch Konsequenzen beim Schreiben, bei der Sprache. Wer kreativ schreiben und nicht immer dieselben Formulierungen verwenden wolle, brauche Zeit. «Ich sehe es an mir selber. Unter Zeitdruck bin ich auch geneigt, ‹die Kirche im Dorf› zu lassen oder ‹keinen Einzelfall› zu sehen.»

Kein Firlefanz, straightforward

Kreatives Schreiben, das betont Britsko, bedeute jedoch nicht, lange, komplizierte Sätze zu machen und hochgestochene Wörter zu verwenden, die niemand verstehe: «Du musst immer so schreiben, dass alle drauskommen. Auch die, die keine Ahnung haben.» Sie versuche beschreibend, sec, klar und direkt zu schreiben – und humorvoll. «Es gelingt nicht immer, aber das ist meine Sprache, die auch ein bisschen meinen Charakter widerspiegelt: slawische Wurzeln, kein Firlefanz, straightforward.»

«Straightforward» wird sie auch ihre «Magazin»-Geschichte über den Alltag der ukrainischen Jugend im Krieg schreiben. Sie hat in der Ukraine viel erlebt, viel Material, viele Eindrücke mitgebracht, die sie jetzt sortieren muss. Vieles hat nicht wie geplant geklappt, täglich wurden Termine abgesagt, weil es Luftalarm gab, die Lage unsicher war. Jeden Tag hätten sich dafür neue Termine ergeben, sagt sie: «Kreativ sein heisst auch: einen Plan zu haben, nur um ihn im nächsten Moment über den Haufen zu schmeissen.»

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