Es ist digital und doch kein E-Mail: Die Post baut auf sichere, elektronische Briefe. Ab Anfang April 2026 gehört dieser digitale Brief der Post zur Grundversorgung. Die Post möchte damit die digitale Kommunikation wieder bündeln und vereinfachen.
Edito: Eine Schweizer Privatperson erhält im Schnitt 200 Briefe und über 10’000 E-Mails pro Jahr. Wie verschiebt sich dieses Verhältnis in den nächsten fünf Jahren?
Martin Wegmüller: So genau können wir das nicht voraussagen. Sicher ist, die Briefmenge hat sich seit 2002 mehr als halbiert. Diese Entwicklung wird sicher weitergehen. Fakt ist, dass sich die Kommunikation nicht einfach in ein Mail-Postfach verlagert. Sie verteilt sich je nach Absender auf ganz unterschiedliche digitale Kanäle wie die eBill, die Krankenkassen-App oder die Dokumentenablage im Onlinebanking. Früher waren das alles Briefe. Diese Briefe landeten alle im Briefkasten, und dafür brauchte es einen Schlüssel. In der digitalen Welt ist es viel komplexer mit all den verschiedenen Kanälen, unterschiedlichen Logins, wechselnden Passwörtern und Sicherheitstechnologien. Mit dem digitalen Brief in der PostApp möchten wir eine Möglichkeit bieten, das wieder zu vereinfachen und im digitalen Briefkasten zusammenzuführen.
Der digitale Brief wird ab 1. April 2026 Teil der Grundversorgung. Was heisst das konkret?
Es bedeutet, dass die Post zusätzlich zum physischen Brief eine digitale Option bietet. Briefe auf Papier wird es weiterhin geben. Aber ab dem 1. April bietet die Post die Möglichkeit, einen Briefdigital und sicher über die Post zu verschicken und auch digital über die Post-App zu empfangen. Dabei sind Sender und Empfänger identifiziert und abgesichert. Bei einer E-Mail muss man sich heute mehr denn je fragen, ob sie wohl echt ist oder ob es sich um einen Betrugsversuch handelt. Genau das möchten wir mit dem digitalen Briefkasten ändern: da kann sich die Empfängerin der Empfänger darauf verlassen, dass der Brief echt ist.
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Werden alle Schweizerinnen und Schweizer dann digital erreichbar sein müssen?
Die Kundinnen und Kunden entscheiden selbst, ob sie digitale Post empfangen möchten. Der Versand eines Digitalen Briefes in einer vollständig digitalen Version kostet 40 Rappen: Die Zustellung erfolgt selbstverständlich sofort. Der Empfang eines Digitalen Briefes ist kostenlos. Wenn eine Person nicht digital erreichbar sein will, geben wir dem Sender eine entsprechende Rückmeldung. Er kann den Brief trotzdem digital aufgeben und die Postübernimmt dann Ausdruck, Couvertierung und Versand seines Briefs. Der Kunde zahlt das gewählte Porto sowie die Kosten für Papier und Druck (ab Fr. 1.45). Umgekehrt bieten wir Menschen, die nur noch digital erreichbar sein möchten, die Möglichkeit an, auch die physischen Briefe digital zugestellt zu erhalten. Dieser Scanning-Service ist nicht Teil der Grundversorgung und ebenfalls kostenpflichtig.
Könnte die Digitale Post auch zu einem Kanal für redaktionelle Inhalte werden, quasi als Konkurrent zur klassischen E-Mail-Inbox?
Nein, der digitale Brief ist ein geschützter Kanal, der an eine bestimmte Person adressiert ist. Das soll kein zusätzlicher Marketing- oder Publikationskanal werden, sondern wirklich ein digitaler Briefkasten. Das ist gerade der Unterschied zu einer E-Mail: Ein digitaler Brief hat einen bestimmten Stellenwert. Sender und Empfänger sind verifiziert, so kann Phishing vermieden werden. Da geht es um relevante Kommunikation wie eine Rechnung oder einen Vertrag. Deshalb ist der digitale Brief auch mit speziellen Sicherheitstechnologien abgesichert. Wir wollen mit der Post-App die bestehenden digitalen Plattformen der Unternehmen ergänzen, nicht ersetzen. Aus Sicht der Konsumentinnen und Konsumenten führt sie aber zu einer Vereinfachung: Sie müssen künftig Bankdokumente, Rechnungen, Abrechnungen oder Belege nicht mehr einzeln in den Kundenportalen einsammeln. Die Unternehmen können Ihnen die Dokumente als digitale Briefe zustellen. Die Post-App mit dem digitalen Brief ist eine Möglichkeit für die Konsumenten, die vielen digitalen Kanäle wieder zu bündeln.
Wenn so viele Dokumente digital werden – wird aus dem guten alten Brief dann ein Nostalgie-Produkt, ähnlich wie die Vinylplatte in der Musikbranche?
Das kann ich mir persönlich gut vorstellen. Bei Hochzeits- oder Geburtsanzeigen sieht man ja, wie wichtig der physische Charakter ist. Das pinnt man an den Kühlschrank, später legt man die Karte ins Fotoalbum. Diese Aspekte kann der digitale Brief nicht ersetzen. Der physische Brief wird vielleicht seltener, aber wertvoller. Digitales lässt sich nicht berühren. Aber wenn wir den Begriff etwas erweitern im Sinne einer digitalen Haptik, dann geht ein digitaler Brief schon über eine E-Mail hinaus. Er kann gestaltet werden, ist persönlicher und schafft so eine neue Form von Wert. Einfach digital.
Martin Wegmüller
Martin Wegmüller hat seine Karriere beim gelben Riesen 2002 als Controller bei PostFinance gestartet und verschiedene Funktionen bei PostFinance, PostLogistics und der Post bekleidet. Seit Anfang 2025 leitet er die Abteilung Digital Public Solutions, die digitale Dienstleistungen für den öffentlichen Sektor, das Gesundheitswesen und Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Dazu gehören etwa das elektronische Patientendossier (EPD), E-Voting und neu der digitale Brief in der Post-App.



