Laut Shuwei Fang, Fellow am Shorenstein Center der Harvard Kennedy School, wird sich der Medienmarkt in Premium-Marken für Menschen und Datenlieferanten für die KI aufteilen. Bild: Ricardo Urli, #ijf26

Handwerk  Künstliche Intelligenz (KI)

11.05.2026

Journalismus hat ein neues Zielpublikum: KI-Agenten

Nachrichtenredaktionen müssen sich auf eine neue Klasse von Lesern einstellen: KI-Agenten. Das berichtet Christoph Schwaiger auf «The Fix» vom International Journalism Festival 2026 in Perugia. Die technologische Entwicklung spalte den Medienmarkt in zwei unterschiedliche Bereiche. Journalisten behalten dabei ihre Rolle als Experten für die Informationsbeschaffung. Kooperationen bei der Technologie und beim Verhandeln mit Tech-Konzernen gewinnen an Bedeutung.

Shuwei Fang, Fellow am Shorenstein Center der Harvard Kennedy School, rät Medienhäusern zur Umstellung. News-Inhalte sollen künftig verstärkt für KI-Systeme aufbereitet werden, die Informationen im Auftrag von Menschen konsumieren. Laut Fang werde sich der Markt in exklusive Premium-Marken und reine Datenlieferanten aufteilen. Die wirtschaftliche Basis für allgemeine Nachrichten in der Mitte bricht dabei weg. In diesem Umfeld sei nicht mehr Aufmerksamkeit die wichtigste Währung, sondern Kontext und die Bedienung spezifischer Nachfragen.

Mukul Devichand, Editor of AI initiatives bei der New York Times, sieht darin eine Vertrauensfrage. Nutzer wenden sich an KI-Chatbots, da sie diese teilweise für weniger voreingenommen halten als einzelne Medienmarken. Das erhöhe den Druck auf Verlage, erstklassige digitale Erlebnisse zu schaffen.

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Wandel des Berufsbilds

Das Berufsbild des Journalisten muss sich gemäss Paul McNally, Gründungsdirektor von Develop AI, grundlegend verändern. Die Verpackung von Inhalten erfolgt künftig in Sekunden durch Automatisierung. Der Mehrwert von Journalisten liegt deshalb primär in der Qualität der recherchierten Informationen. Floren Daudens, Mitgründer von Mizal AI, sieht KI-Agenten eher als Partner denn als Ersatz für Fachkräfte. Redaktionen müssten diesen kulturellen Wandel intern aktiv gestalten.

Diese Transformation wird laut Daudens die bisherige digitale Umstellung weit in den Schatten stellen. Redaktionsleitungen sollten KI-Systeme als Werkzeuge zur Hebelwirkung ihrer Expertise begreifen. Die grösste Ungewissheit liegt derzeit noch in der Gestaltung künftiger Inhaltsformate.


Quelle

Christoph Schwaiger, «What we heard in Perugia about AI rewriting the rules of journalism», The Fix, 05.05.2026

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