Das Media Insight Project hat untersucht, wie Amerikaner:innen aller Altersgruppen Nachrichten wahrnehmen und welchen Quellen sie vertrauen. Das Ergebnis: Nachrichten machen mehrheitlich keinen Spass, und sie geben kaum Hoffnung. Einzige Ausnahme ist der Lokaljournalismus. Er erzielt in allen Altersgruppen das höchste Vertrauen und wird am wenigsten für Fehlinformation verantwortlich gemacht. Das zeigt eine neue Studie eines Forschungsverbunds aus vier amerikanischen Institutionen. Die Befunde sind auch für europäische Medienschaffende relevant, weil sie den Zusammenhang zwischen emotionaler Belastung und sinkendem Nachrichtenkonsum quantifizieren.
Nur zehn Prozent der Befragten sagen, Nachrichten vermittelten ihnen eine hoffnungsvolle Sicht auf die Welt. Die meisten berichten, dass sie aktiv bestimmte Themen meiden: 71 Prozent weichen Celebrity-News aus, 62 Prozent lesen keine Beiträge über Donald Trump, 57 Prozent meiden nationale Politik generell. Ältere Erwachsene regulieren ihre Nachrichtenexposition dabei bewusster als jüngere. Zugleich fühlen sich die meisten Befragten grundsätzlich in der Lage, relevante Inhalte zu finden und vertrauenswürdige von unglaubwürdigen Quellen zu unterscheiden. Der emotionale Preis, den sie dafür zahlen, ist laut der Studie jedoch erheblich.
Die Forscher vom Center for Public Affairs Research beschreiben das Vertrauen in Nachrichtenquellen insgesamt als gering. Weniger als die Hälfte der Befragten äussert ein hohes Vertrauen in irgendeinen Quellentyp. Am meisten Vertrauen haben die Befragten in lokale Nachrichten, gefolgt von nationalen Medien, unabhängigen Creators und KI-Chatbots. Als wichtigste wahrgenommene Stärke lokaler Medien gilt das Bereitstellen nützlicher Informationen (41 Prozent der Befragten). Die Verantwortung für Falschinformationen schreiben 66 Prozent der Befragten in erster Linie Politiker:innen zu; lokale Medien erhalten mit 35 Prozent die wenigsten Nennungen.
Generationengraben bei Nachrichten und Influencern
Die Mediennutzung unterscheidet sich laut Studie stark nach Altersgruppe. Unter den 13- bis 17-Jährigen beziehen 57 Prozent ihre Nachrichten täglich aus sozialen Medien; bei den über 65-Jährigen sind es 74 Prozent, die sich primär an das Fernsehen halten. Lokale Nachrichten nutzen alle Altersgruppen, aber auf unterschiedlichen Wegen: Ältere Erwachsene greifen auf lokales TV, Radio und Zeitungen zurück, Teenager erhalten lokale Informationen häufiger von lokalen Influencern oder unabhängigen Creators (48 Prozent gegenüber 23 Prozent bei den über 65-Jährigen).
Influencer und unabhängige Creators sind generationsübergreifend zu einer wichtigen Nachrichtenquelle geworden. 57 Prozent aller Befragten beziehen mindestens einen Teil ihrer Nachrichten von solchen Anbieter:innen, bei Jugendlichen sind es 81 Prozent. Vertrauen in diese Quellen hängt gemäss der Studie weniger von Followerzahlen ab als von Transparenz: 50 Prozent bewerten die Kennzeichnung von Sponsored Content als sehr wichtig, nur zehn Prozent sagen das Gleiche über die Follower-Anzahl eines Accounts.
Methode und Trägerschaft
Die Erhebung wurde vom 5. bis 8. Februar sowie vom 2. bis 16. Februar 2026 durchgeführt. Befragt wurden 2101 Personen ab 13 Jahren in den USA, aufgeteilt in eine Erwachsenenstichprobe von 1092 Befragten und eine Jugendbefragung von 1009 Befragten zwischen 13 und 17 Jahren. Beide Teilstichproben sind nationalrepräsentativ; der Gesamtstichprobenfehler liegt bei plus/minus 3,9 Prozentpunkten. Eingesetzt wurden das AmeriSpeak Panel und das AmeriSpeak Teen Panel, probabilistische Panels von NORC at the University of Chicago.
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Das Media Insight Project ist ein Forschungsverbund aus AP-NORC Center for Public Affairs Research, American Press Institute, Northwestern University Medill School of Journalism sowie dem Local News Network der University of Maryland. Die Studie wurde am 29. April 2026 veröffentlicht.
Die Ergebnisse reihen sich in eine wachsende Evidenzlage ein, die zeigt: Medienerschöpfung und selektive Nachrichtenvermeidung sind keine Randphänomene, sondern breite gesellschaftliche Reaktionen auf ein als belastend empfundenes Informationsumfeld. Für Redaktionen ergibt sich daraus ein praktischer Hinweis: Lokaler Journalismus mit klar kommuniziertem Nutzwert geniesst strukturell mehr Vertrauen und löst weniger Vermeidungsreaktionen aus als nationale oder internationale Berichterstattung.
Quelle
AP-NORC Center for Public Affairs Research / Media Insight Project: «The Evolving News Landscape: Comparing Media Habits and Trust Between Teens and Adults». AP-NORC, 29. April 2026.
Medienartikel: Nieman Journalism Lab (Neel Dhanesha): «People are stressed out by most news that isn’t local news, according to a new study», 4. Mai 2026.



