Tempo bedeutet nicht Publikationsreife: KI-Ergebnisse müssen oft nachbearbeitet werden. (Bild: Edito/mz/ChatGPT/Claude)

Handwerk  Künstliche Intelligenz (KI)

Kreativitätsforschung | 22.06.2026

Adobe: Kreative nutzen zunehmend KI, vertrauen aber weiter auf ihr eigenes Urteilsvermögen

Generative KI ist für die grosse Mehrheit der Kreativen weltweit kein Experiment mehr, sondern fester Bestandteil der täglichen Arbeit. Das Geschäft wächst dadurch schneller, die Wettbewerbsfähigkeit steigt – doch eine Grenze bleibt: Die letzte kreative Entscheidung bleibt beim Menschen. Das zeigt Adobes zweite Auflage des globalen Creators’ Toolkit Report. Adobe und The Harris Poll befragten über 16’000 Kreative in acht Ländern, darunter Deutschland, die USA und Grossbritannien. Der Report erschien am 16. Juni 2026 und wurde in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut The Harris Poll erstellt.

87 Prozent der Kreativen, die generative KI nutzen oder ausprobiert haben, sagen, die Technologie habe ihr Geschäft oder ihre Reichweite beschleunigt. 75 Prozent beschreiben KI-Tools als fest integriert oder essenziell für ihre tägliche Arbeit. 63 Prozent fühlen sich durch den Einsatz von KI professioneller oder selbstsicherer als Kreative. Generative KI ist damit laut Studie keine Randerscheinung mehr, sondern zentrale Infrastruktur der Creator Economy.

Geschwindigkeit ist nur der Anfang

93 Prozent der Befragten sagen, KI helfe ihnen, Inhalte schneller zu produzieren. Doch Tempo bedeutet nicht Publikationsreife. 57 Prozent berichten, dass KI-generierte Ergebnisse meist aufwendig nachbearbeitet werden müssen. 35 Prozent nennen als Mehrwert die grössere Freiheit beim Experimentieren vor einer Pitchphase, 33 Prozent gewinnen durch KI die Zuversicht, ambitioniertere Projekte anzugehen. Menschliches Urteil bleibt damit das entscheidende Korrektiv vor der Veröffentlichung. 81 Prozent der Befragten halten menschliches Urteilsvermögen für unverzichtbar bei kreativen Entscheidungen.

Gleichzeitig verschärft sich die Konkurrenz im Content-Markt. Von jenen Kreativen, die sagen, es sei heute schwerer, aufzufallen, nennen 53 Prozent das schiere Inhaltsvolumen als Grund. 42 Prozent sehen KI-generierte Inhalte als Faktor, der einzigartige Stimmen schwerer erkennbar macht. Dennoch geben 58 Prozent an, sich gegenüber grösseren Teams oder Studios wettbewerbsfähiger zu fühlen, seit sie KI einsetzen. 85 Prozent sind der Meinung, dass Werke, die mit KI-Unterstützung entstehen, nach wie vor ihre unverwechselbare Stimme tragen.

Kontrolle als Bedingung für KI-Agenten

Der Report widmet sich erstmals ausführlich dem Thema Agentic AI, also Systemen, die mehrstufige Aufgaben selbstständig ausführen. 85 Prozent der Befragten sagen, die letzte kreative Entscheidung müsse immer beim Menschen bleiben, unabhängig davon, ob generative oder agentische KI im Einsatz ist. Die Befragten knüpfen mehr Autonomie an klare Bedingungen: 44 Prozent verlangen die Möglichkeit, jederzeit eingreifen, bearbeiten oder rückgängig machen zu können. 37 Prozent wollen Transparenz darüber, was ein KI-Agent tut und warum. 34 Prozent fordern klare Grenzen beim Datenzugriff. Kontrolle ist demnach keine Hürde für agentische KI, sondern ihre Voraussetzung.

Was Kreative mit der gewonnenen Zeit anfangen würden, ist aufschlussreich: 22 Prozent würden neue kreative Fähigkeiten erlernen, 21 Prozent mehr Zeit in übergeordnete kreative Ideen und Konzeptarbeit investieren. Die Bereitschaft, Routinearbeit abzugeben, geht also nicht mit dem Wunsch einher, sich zurückzuziehen, sondern mit dem Ziel, tiefer in die eigentliche kreative Arbeit einzutauchen.

Offenlegung und Urheberrecht bleiben ungeklärt

Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft Transparenz und Eigentumsrechte. 85 Prozent der Befragten sagen, ihr Publikum erwarte eine Offenlegung des KI-Einsatzes – oder halte diese Erwartung aufrecht. 75 Prozent glauben, ihr Publikum erkenne ohnehin, wenn KI massgeblich an einem Werk beteiligt war. Das tatsächliche Verhalten weicht davon ab: Nur 49 Prozent geben an, den KI-Einsatz immer oder oft offenzulegen, 18 Prozent tun es selten oder nie. Beim Thema Urheberrecht herrscht unter den Kreativen weitgehende Einigkeit: 90 Prozent halten es für wichtig, dass KI-assistierte Werke urheberrechtlich geschützt werden können.

Der 2026 Creators’ Toolkit Report ist die zweite Auflage einer Studienreihe, die Adobe 2025 lanciert hat. Die erste Ausgabe hatte die rasante Verbreitung von KI-Tools unter Kreativen dokumentiert. Die aktuelle Ausgabe zeigt, dass aus Adoption nun Integration geworden ist. Für die Kreativbranche, aber auch für Plattformbetreiber, Gesetzgeber und Bildungsinstitutionen, zeichnet der Report ein Bild einer Industrie im Umbau: KI übernimmt das Tempo, der Mensch behält den Takt.


Quelle: Adobe News – Adobe: «87 Percent of Creators Say Creative AI Is Growing Their Business and Audience, According to Adobe’s 2026 Creators’ Toolkit Report»

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