Redaktionen weltweit kämpfen mit denselben strukturellen Defiziten: fehlender Strategie, schwindendem Publikumsvertrauen, mangelnden Kapazitäten und fehlenden Fähigkeiten. Das zeigt eine gemeinsame Studie von FT Strategies und WAN-IFRA, die Newsroom-Führungskräfte aus aller Welt befragt hat. Die KI-Einführung scheitert weniger an der Technologie als an kulturellem Widerstand und Fachkräftemangel. Gleichzeitig fehlt vielen Redaktionen eine klare Vision, wie sie ihre Beziehung zum Publikum neu aufbauen wollen. Die Studie soll Verlagen und Chefredaktionen als Massstab dienen, die ihre Organisation umbauen wollen.
Für die Erhebung wurden 448 Führungskräfte aus Newsrooms in 86 Ländern befragt. Die Ergebnisse zeigen über Märkte und Redaktionsgrössen hinweg ein einheitliches Bild: Die identifizierten vier Lücken treten nicht isoliert auf, sondern verstärken sich gegenseitig. Wer keine klare Strategie hat, kann auch Vertrauen und Kompetenzen nicht gezielt aufbauen.
Beim Thema Strategie stellen die Studienautoren fest, dass viele Redaktionen zwar die digitale Transformation anstreben, aber keinen klaren Fahrplan besitzen. Die Vertrauenslücke zeigt sich darin, dass Führungskräfte zwar die Bedeutung von Publikumsbindung anerkennen, aber kaum Ressourcen dafür einsetzen. Im Bereich Kapazitäten fehlt es an Zeit, Personal und Budget, um Innovationen umzusetzen. Die Kompetenzlücke betrifft sowohl technische als auch strategische Fähigkeiten: KI-Werkzeuge sind vorhanden, doch das Wissen, sie sinnvoll einzusetzen, fehlt.
Kultureller Widerstand als Hemmnis
Besonders beim Thema KI zeigt die Studie ein differenziertes Bild. Die Technologie ist in vielen Redaktionen angekommen, doch die Einführung stockt. Als Haupthindernisse nennen die Befragten kulturellen Widerstand innerhalb der Belegschaft sowie den Mangel an qualifizierten Fachkräften. Beides zusammen führt dazu, dass KI-Projekte oft Pilotcharakter behalten und den redaktionellen Alltag nicht erreichen.
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Die Studie wurde von FT Strategies, dem Beratungsarm der «Financial Times», gemeinsam mit dem Weltverband der Nachrichtenmedien WAN-IFRA durchgeführt und trägt den Titel «Future Newsrooms Study 2026». Sie erscheint in einem Moment, in dem sinkende Werbeeinnahmen, veränderte Vertriebskanäle und der Aufstieg generativer KI den Druck auf traditionelle Verlagsmodelle gleichzeitig erhöhen. Die Studie soll als Grundlage für Investitionsentscheidungen und als Orientierungsrahmen für Redaktionen dienen, die ihre Zukunftsfähigkeit gezielt stärken wollen.
Quellen:
FT Strategies / WAN-IFRA: «Future Newsrooms Study 2026». FT Strategies, 2025. DOI: nicht verfügbar.
Medienartikel: journalism.co.uk – Veröffentlichungsteam: «Strategy, trust, capability and skills: four gaps newsrooms must fill to secure their future»
Originalstudie: ftstrategies.com: «future-newsrooms-study»



