Seine Zeichnungen erkennt man auf den ersten Strich: Peter Gut (Foto: Annick Ramp/NZZ)

Mediennews

07.07.2026

Peter Gut: «Ich zeichne einfach.»

Peter Gut gehört zu den profiliertesten Karikaturisten und Pressezeichnern der Deutschschweiz. Sein prägnanter Strich prägt seit Jahrzehnten die NZZ und die «Bilanz». Was er genau macht, weiss er selbst nicht so genau.

Seine Zeichnungen können bitterböse sein, aber auch von fast schon sanfter Zärtlichkeit, voll bissiger Ironie, aber auch liebevoll präzise. Vor allem aber erkennt man sie auf den ersten Strich als Zeichnung von Peter Gut. Er sei, sagt er selbst, aus der Zeit gefallen. Die meisten Kolleg:innen arbeiten mit Grafiktablett und Illustrationsprogrammen. Peter Gut bleibt bei Buntstiften und Papier. Sein Lieblingsstift ist ein Farbstift von Faber Castell, «Typ Polychromos dark sepia 175, um genau zu sein.» Es ist ein Stift, der dunkel und warm ist, aber nicht ganz schwarz. Peter Gut zeichnet damit auf leicht getöntes Papier.

Was er da macht, kann er gar nicht so genau sagen: «Ich zeichne einfach.» Als Erklärung kommt ihm das Buch «Zen und die Kunst des Bogenschiessens» in den Sinn: «Wenn man etwas lange genug macht, dann ist es in Dir drin. Die einzelnen Schritte gehen ineinander über. Ich überlege mir gar nicht so viel, es macht einfach: Es zeichnet.»

Das hat mit dem Material zu tun, das Peter Gut verwendet, vor allem aber mit seinem Handwerk. «Mich interessiert die Zeichnung», sagt er. «Wenn ich denk Gedanken habe, dann geht es los.» Natürlich suche er den ultimativen Lacher. Aber der hänge auch vom Thema ab oder von der Tagesform. Bei Zeichnungen zu Texten versucht er, das Bild so hinzubekommen, dass es später alleine stehen kann. Woran merkt er, ob eine Zeichnung gut ist? Peter Gut lacht und zuckt die Schultern: «Das merkt man einfach, ob es stimmt oder nicht.» Und schiebt nach: «Ich glaube, gut ist es, wenn ich zufrieden bin.» Entscheidend ist dabei die Reihenfolge.

Seine Aufträge sind höchst unterschiedlich. Seit 1993 zeichnet er «Bonjour», die monatliche Karikatur auf der dritten Seite der «Bilanz». Seit vielen Jahren zeichnet er jeweils am Freitag die Karikatur der Woche für die NZZ. Darüber hinaus illustriert er oft den Bundauftakt von «Meinung und Debatte». Er bekomme vor allem jene Texte, die sich schwer bebildern lassen, meint er. Dann liest er das Manuskript. «Manchmal hab ich schon nach zwei, drei Zeilen eine Idee, manchmal muss ich lange lesen, bis etwas in Gang kommt.» Er habe, lacht er, zum Glück viel Phantasie.

Werbung

Hat er Vorbilder für seine Zeichnungen? «Es gibt so viele geniale Zeichner», sagt Peter Gut. Was ihn am meisten interessiere, seien Skizzen von grossen Meistern. «Skizzen sind oft das beste am Werk.» Beim Skizzieren habe der Strich eine lebendige Flüchtigkeit, die oft nur schwer zu reproduzieren sei. Seit die KI jeden Stil reproduzieren könne, lasse er auch mehr Skizzenhaftes in seinen eigenen Zeichnungen zu. «Ich lasse Hilfsstriche stehen, damit man sieht, dass da ein Mensch gearbeitet hat und immer wieder angesetzt hat oder aus einem Guss ein Wurf geworden ist.»

Gedanken-Pingpong und Nachrufe

Peter Gut zeichnet für die NZZ, die «Bilanz» und die «Landliebe» und immer wieder auch für private Auftraggeber. Zeichnet er auch ohne Auftrag? «Ich habe in den Ferien und unterwegs schon auch Papier und Stifte dabei. Dann zeichne ich, was sich unbewusst ansammelt. Öfter ist da aber einfach nichts», sagt er «Manchmal entsteht etwas, das ich zur Seite lege, dem ich noch nachgehen will. Aber ich komme dann doch nie dazu.» Manchmal frage er sich, ob der Entscheid richtig gewesen sei, als Pressezeichner zu arbeiten. Dann lacht er und sagt: «Aber ich bin da, wo ich bin und finde es toll. Ich glaube, es ist recht gut so.» Sein Freund bei der NZZ sei der Journalist Martin Senti. «Es kommt öfter vor, dass wir Gedanken-Ping-Pong machen und ab und zu serviert er mir eine fertige Idee.»

Seit 18 Jahren hat er sein Atelier in Winterthur-Töss in einer ehemaligen Apotheke. «In diesen 18 Jahren bin ich noch nie in dieses Atelier gegangen und habe mich gefragt, was ich da mache», sagt er. «Ich gehe jedes Mal gerne. Da ist ein Glück.» Und dann sorgt er zum Schluss für eine Überraschung. Er, der bekannt ist für seine lustigen Zeichnungen und Karikaturen, antwortet auf die Frage, was ihm am meisten Freude macht: «Zeichnungen für Nachrufe. Das Echo darauf ist oft unglaublich. Das berührt mich.»

Peter Gut

Peter Gut wurde 1959 in Zürich geboren. Er hat Schriftsetzer gelernt und arbeitet seit Jahrzehnten in Winterthur als freischaffender Karikaturist, Illustrator und Künstler unter anderem für die NZZ und die «Bilanz». Darüber hinaus hat er zahlreiche Bücher illustriert. 2015 richtete ihm das Cartoonmuseum Basel die Einzelausstellung «Fürs Leben gezeichnet» aus.

petergut.com

Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* = erforderlich

 

Edito exklusiv

Edito-Academy: Webinar

 

Praxisnahe Weiterbildung rund um KI, Tools und digitale Trends auf der neuen Plattform

 

academy.edito.ch

Werbung
EDITO en français
Aktuelle Ausgabe