Reto Vogt ist Techjournalist und als CPO verantwortlich für das Ausbildungsprogramm am MAZ. (Bild: Caroline Fink)

Handwerk  Medienpraxis

Werkzeuge im Vergleich | 07.10.2026

Finden, was ist

Informiert zu bleiben, kann ganz schön anstrengend sein. Digitale Werkzeuge helfen Journalist:innen, an ihren Themen dranzubleiben. RSS-Feeds, Suchprofile, Google Alerts und KI erledigen dies auf ganz unterschiedliche Weise. Dabei hat jedes Werkzeug seine eigenen Stärken und Schwächen.

Von Reto Vogt

Um eine relevante Geschichte schreiben zu können, muss man sie zuerst finden. Das ist eine Binsenweisheit, im journalistischen Alltag aber gar nicht so einfach. Neue Artikel erscheinen, Behörden verschicken Mitteilungen, Unternehmen publizieren Berichte, Fachmedien greifen Entwicklungen auf. Und irgendwo dazwischen steckt vielleicht genau jene Information, aus der die nächste Geschichte entsteht. Unsere Aufgabe als Journalistinnen und Journalisten ist es, sie zu entdecken – ohne dafür den ganzen Tag das Internet absuchen zu müssen.

Genau dabei können digitale Werkzeuge helfen. Sie beobachten Quellen, suchen nach bestimmten Begriffen oder stellen regelmässig die wichtigsten Entwicklungen zusammen. Das Ziel ist immer dasselbe: Nicht wir suchen ständig nach neuen Informationen, sondern relevante Informationen finden den Weg möglichst automatisiert zu uns. Vier unterschiedliche Methoden bieten sich dafür an. «Edito» erklärt sie Schritt für Schritt.


Medienbriefing mit KI

KI-Tools können regelmässig nach neuen Entwicklungen zu einem Thema suchen, die Resultate gewichten und in einem persönlichen Medienbriefing zusammenfassen.

So geht’s: In ChatGPT (in der Seitenleiste unter «Geplant»), Gemini (unter «Einstellungen» → «Geplante Aktionen») und Claude (über «Geplant» in Cowork) kannst du wiederkehrende Briefings einrichten. Definiere im Prompt möglichst genau die Themen und Quellen, den Zeitraum der Suche und die gewünschte Darstellung der Ergebnisse (Titel, Abstract und Link zur Originalquelle). Lege anschliessend fest, wann das Briefing erscheinen soll – beispielsweise jeden Morgen um 8 Uhr oder immer mittwochs um 10 Uhr. Die Ergebnisse landen automatisch im Chatverlauf und stehen dort zum Lesen und Weiterbearbeiten bereit.

Tipp: Ein gutes Briefing entsteht selten auf Anhieb. Prüfe nach den ersten Ausgaben, welche Treffer fehlen und welche überflüssig sind, und passe den Prompt entsprechend an.

Blinder Fleck: KI-Suchen sind nicht vollständig und ihre Auswahl ist nur bedingt nachvollziehbar. Relevante Meldungen können fehlen, gefundene Artikel veraltet oder Zusammenfassungen fehlerhaft sein. Das Briefing liefert Hinweise auf mögliche Geschichten, ersetzt aber nicht die Prüfung der Originalquellen.


Automatisierte Websuche mit Google Alerts

Ein Google Alert informiert regelmässig über neue Webinhalte, die zu selbst gewählten Suchbegriffen passen. Das eignet sich besonders für Namen, Unternehmen, Organisationen oder klar umrissene Themen.

So geht’s: Unter google.com/alerts einloggen, den gewünschten Suchbegriff eingeben und einen Alert erstellen. Über «Optionen anzeigen» legst du fest, wie häufig Google neue Treffer melden soll, welche Quellentypen und Sprachen die Suche umfasst und auf welche Region sie sich beschränkt. Je präziser der Suchbegriff, desto besser die Resultate: Statt «Künstliche Intelligenz» eignet sich beispielsweise eine Kombination aus mehreren Begriffen oder eine exakte Wortfolge in Anführungszeichen. Neue Treffer schickt dir Google per E-Mail.

Tipp: Beginne spezifisch und passe die Suchbegriffe nach einigen Tagen an. Zu viele irrelevante Treffer sprechen für ein engeres Suchprofil; bleibt der Alert dünn oder kommen gar keine Mails, erweitere die Suche schrittweise. Je nach Thema können auch mehrere spezifische Alerts sinnvoller sein als ein einziger breiter.

Blinder Fleck: Google Alerts überwacht nicht lückenlos das gesamte Web. Nicht indexierte Seiten, geschlossene Plattformen oder Inhalte hinter Logins können fehlen. Zudem entscheidet Google, welche Treffer in einem Alert erscheinen.


Nachrichten bündeln mit RSS-Feeds

RSS ist der Veteran unter den digitalen Beobachtungswerkzeugen. Viele Medien, Blogs, Behörden oder Organisationen bieten einen RSS-Feed an. Wer ihn abonniert, erhält neue Inhalte automatisch. Ein Feedreader wie Feedly sammelt diese Beiträge an einem Ort.

So geht’s: Unter feedly.com ein Konto erstellen (über «Get Started for Free») und nach Websites oder Themen suchen, die man beobachten möchte. Bietet eine Website einen RSS-Feed an, abonnierst du ihn in Feedly. Anschliessend organisierst du die abonnierten Feeds in Ordnern. Neue Beiträge erscheinen entweder in der Gesamtübersicht (unter «Feeds» → «All») oder in den jeweiligen Ordnern. Alternativ zu Feedly gibt es zahlreiche andere RSS-Aggregatoren (z. B. Inoreader oder Newsblur).

Tipp: Abonniere nicht jede interessante Website, sondern konzentriere dich auf Quellen, die für dein Thema regelmässig relevant sind. Sonst verlagert sich die Informationsflut lediglich in den Feedreader. Ordner helfen zusätzlich, die Feeds nach Themen zu strukturieren.

Blinder Fleck: RSS findet nichts Neues ausserhalb der abonnierten Quellen. Zudem bieten nicht alle Websites einen RSS-Feed an.


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Medienrecherche in der SMD

Die Schweizer Mediendatenbank (SMD) bündelt Beiträge aus fast allen Schweizer Medien. Darin kannst du Suchprofile erstellen und dich automatisch über neue Treffer informieren.

So geht’s: Unter «Suchprofile» → «Suchprofil erstellen» richtest du eine Suche mit den gewünschten Begriffen oder gezielt nach «Titel», «Medium» oder «Autor» ein. Du bestimmst, ob die SMD das Suchprofil täglich oder nur an bestimmten Wochentagen ausführt. Zur gewünschten Uhrzeit schickt dir die SMD passende Beiträge automatisch per E-Mail.

Tipp: Starte mit einem möglichst präzisen Suchprofil und prüfe nach einigen Tagen die Treffer. Gibt es zu viel Unpassendes, ergänze Ausschlussbegriffe; fehlen relevante Beiträge, erweitere die Suche um Synonyme oder verwandte Begriffe.

Blinder Fleck: Die SMD durchsucht ausschliesslich Medien und Inhalte, die in ihrer Datenbank verfügbar sind. Behördenwebsites, Unternehmensblogs, Social Media oder viele internationale Quellen deckt sie deshalb nicht systematisch ab.


Die Kombination macht’s

Welches dieser Werkzeuge ist nun das Beste? Keines. Sie lösen unterschiedliche Probleme und ergänzen sich gerade deshalb. Wer die Methoden kombiniert, gleicht ihre jeweiligen blinden Flecken zumindest teilweise aus. Aus vier unvollständigen Werkzeugen entsteht ein persönliches Nachrichtennetz, das ziemlich engmaschig ist. Die nächste Geschichte schreiben sie uns zwar nicht. Aber vielleicht helfen sie uns dabei, sie rechtzeitig zu finden.


Reto Vogt ist Techjournalist und als CPO verantwortlich für das Ausbildungsprogramm am MAZ, Institut für Journalismus und Kommunikation, in Luzern. maz.ch

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