Diego Yanez war Direktor der Schweizerischen Journalistenschule MAZ in Luzern und Chefredaktor des Schweizer Fernsehens. Der «Seetaler Bote» hat aus Anlass seines 125-jährigen Bestehens mit Yanez über die Zukunft von Zeitungen gesprochen und Yanez sieht schwarz. Ganz sterben werde der Print zwar nicht, sehr spezialisierte Titel hätten eine gewisse Zukunft. «Aber für den grossen Teil, ob überregionale, regionale, nationale Zeitungen, wird es sehr schwierig», sagt Yanez. «Wenn man das nicht aufhält, und im Moment sieht es so aus, dann wird das für ganz viele zu dramatischen Situationen führen.» Das Problem sei: «Journalismus hat sich noch nie selbst finanziert. Inserate haben die Zeitung quasi quersubventioniert. Stellenanzeigen, Immobilienanzeigen, damit wurde die Zeitung finanziert.»
Das ist nicht nur für die Medien ein Problem, sondern auch für die Schweiz als Demokratie: «Journalismus und auch der Regionaljournalismus sind demokratierelevant. Wir gehen alle x-mal pro Jahr abstimmen.» Es sei «extrem wichtig», dafür ein gutes Informationsangebot zu haben. «Je weniger Titel da sind, desto schlechter ist das tendenziell.» Yanez erinnert sich an Zeiten, als es in Luzern drei Tageszeitungen gab: «Das Tagblatt, die LNN und das Vaterland. Jetzt gibt es nur noch eine. Wenn sich die einzige Zeitung, die noch bleibt, in einem Kommentar für oder gegen etwas ausspricht, hat das ein anderes Gewicht. Das führt zu einem Einheitsbrei. Nicht, dass die LZ per se schlecht ist. Ich finde sie ordentlich gemacht. Aber es führt zu einer Verarmung von Meinungen und Pluralität.»
Quelle: Seetaler Bote – André Widmer «Ganz sterben wird Print nicht»
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