Die TX Group nennt es einen «konsequenten Schritt», für den Journalistenverband impressum ist es ein «Erdbeben»: Die 20 Minuten Gruppe stellt per Ende Jahr ihre gedruckte Pendlerzeitung in der Schweiz ein und will sich auf die digitalen Angebote konzentrieren. Die Zeitung legt die Redaktionen in der Deutsch- und Westschweiz zu einer nationalen Redaktion zusammen und schliesst ihre Regionalredaktionen in Basel, Genf, Luzern und St. Gallen. Insgesamt sollen bis zu 80 Vollzeitstellen ab.gebaut werden. Was mit den Zeitungsboxen passiert, ist noch nicht klar: «Wir prüfen eine mögliche Print-Innovation mit neuem Erscheinungsrhythmus», schreibt «20 Minuten» heute.
Die 20-Minuten-Gruppe hat keine Lust mehr auf Papier und stellt per Ende Jahr die gedruckte Pendlerzeitung ein. Die Medienstelle begründet den Abbruch der Papierzeitung mit «der sich rasch wandelnden Mediennutzung» und mit «sinkenden Erträgen im Printgeschäft». Gleichzeitig stellt sich das News-Portal neu auf: Die bis jetzt separat geführten Redaktionen in der Deutschschweiz und in der Romandie werden zu einer einzigen nationalen Redaktion mit den Standorten Lausanne, Bern und Zürich zusammengeführt. Die Regionalbüros in Basel, Genf, Luzern und St. Gallen werden per Ende Jahr geschlossen.
Chefin dieser zusammengelegten «20 Minuten»- und «20 minutes»-Redaktion wird Désirée Pomper. Sie ist derzeit Chefredaktorin in der Deutschschweiz. Philippe Favre, seit der Gründung 2006 Chefredaktor von 20 minutes, wird Directeur Romandie. Auch die Tageszeitung «20 minuti» im Tessin wird eingestellt. Künftig gibt es auch «20 minuti» nur noch online. Die Auslandsbeteiligung L’essentiel in Luxemburg führt ihr Print- und Onlineangebot dagegen unverändert weiter.
«Selbstzerstörerische Unternehmensstrategie»
Der Journalistenverband Impressum und die Mediengewerkschaft Syndicom kritisieren den geplanten Abbau von bis zu 80 Vollzeitstellen scharf. «Die fortlaufenden, drastischen Sparmassnahmen auf dem Rücken des Personals zeugen von einem mangelnden sozialen und gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein», schreibt Impressum. «Sie offenbaren zudem das Fehlen einer mittelfristigen Strategie und verfolgen offenbar Ziele, die sich allein an den wirtschaftlichen Interessen der Aktionärinnen und Aktionäre orientieren.» Für Impressum sei diese «selbstzerstörerische Unternehmensstrategie inakzeptabel». Syndicom fordert ein «echtes Konsultationsverfahren» mit ausreichender Frist: «Der Versuch, diesen Prozess vor dem Sommerferienbeginn durchzuziehen, lässt Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Beteiligung aufkommen. Die betroffenen Mitarbeitenden haben das Recht, Alternativen zum Abbau zu entwickeln und sich mit ihrer Gewerkschaft zu besprechen. Das benötigt Zeit und Transparenz.»
Noch ist nicht klar, ob sich die 20 Minuten Gruppe ganz vom Papier trennt: Man prüfe derzeit eine «weiterführende Nutzung des einzigartigen Boxen-Distributionsnetzes», schreibt die Gruppe. Offenbar wird an einer «Print-Innovation mit neuem Erscheinungsrhythmus» gearbeitet, einem Produkt, das sich «an der modernen Mediennutzung der Pendlerinnen und Pendler orientiert».
Investitionen in die KI statt in die Mitarbeiter
Finanziert wird «20 Minuten» auch online nur durch Werbung: Um das «Potenzial im anspruchsvollen digitalen Werbemarkt auszuschöpfen», würden «substanzielle Mittel» in die Weiterentwicklung des digitalen Produkts investiert, schreibt das Unternehmen. Dabei geht es auch um «innovative kommerzielle Angebote und Umfelder» sowie um «wesentliche Investitionen in Anwendungen der künstlichen Intelligenz». Das stört Journalistenverband Impressum ganz gewaltig: Es sei «unverkennbar, dass das Unternehmen darauf abzielt, journalistische Arbeit zunehmend durch KI-generierte Inhalte zu ersetzen».
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