Eine gute (Online-)Blattmacherin – oder Tagesleiterin, wie wir es nennen – zu sein, heisst heute: Multimedial denken. Die Mobile-first-Strategie und die Entkoppelung von Redaktion und Printproduktion haben den Job nicht ausgehöhlt, sondern geschärft. Es gilt noch immer, Themen, Timing und Team im Blick zu haben – und in Echtzeit aus Tools herauszulesen, was Leserinnen und Leser wirklich wollen. Als Bindeglied zur Printproduktion hilft Erfahrung im Seitenlayout oder wenigstens ein präzises Vorstellungsvermögen dafür, wie viele Zeichen, Bilder und Grafiken auf eine Seite passen. Weil all das vom frühen Morgen bis in den Abend parallel läuft, braucht es Nervenstärke, Ausdauer, Organisationstalent – und vor allem Entscheidungsfreude. Gute Tagesleiterinnen entscheiden schnell, worin sie Energie investieren und was – so schwer es auch fällt – liegenbleibt. Kurz gesagt: Das Geheimrezept der Tagesleiter:innen ist eine kluge Defizitplanung.
Fabienne Sennhauser ist diensthabende Redaktorin/Tagesleiterin (vormals Blattmacherin) des Ressorts Zürich beim «Tages-Anzeiger»
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