Die KI-Nutzung in der amerikanischen Wirtschaft wächst, aber sie wächst ungleich. Zwischen grossen Firmen und Kleinstbetrieben klafft eine Lücke, die sich seit Dezember 2025 weiter vertieft hat. Das zeigen neue Daten des U.S. Census Bureau, erhoben im Rahmen des Business Trends and Outlook Survey. Besonders auffällig ist das Bild bei Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitenden. Dazu gehören viele freie Autoren und Designer. Sie nutzen KI kaum. Für die Kreativbranche ist das ein strukturelles Warnsignal.
Die Erhebung erfasste zwischen Dezember 2025 und Anfang Mai 2026 die KI-Nutzung von US-Unternehmen aller Grössenklassen und Branchen. Der Survey fragt zweiwöchentlich, ob Betriebe KI «in beliebigen Geschäftsfunktionen» einsetzen – eine Formulierung, die das Census Bureau im November 2025 bewusst weiter gefasst hat, um auch administrative und kreative Anwendungen zu erfassen. Insgesamt berichten rund 17 bis 20 Prozent aller Unternehmen von aktiver KI-Nutzung. Weitere 20 bis 23 Prozent planen, KI innerhalb der nächsten sechs Monate einzuführen.
Bei genauerer Betrachtung der Zahlen zeigt sich, dass die Entwicklungen stark divergieren. Bei Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitenden geben 37 Prozent an, KI in ihren Betriebsabläufen zu nutzen. Bei Firmen zwischen 100 und 249 Angestellten sind es 32 Prozent. Zwischen Dezember 2025 und Mai 2026 stieg die Nutzung in allen Grössenklassen ab 20 Mitarbeitenden messbar an. Bei Betrieben mit vier oder weniger Angestellten hingegen veränderte sich nichts Wesentliches: Weniger als 20 Prozent setzen KI ein.
Branchenunterschiede bleiben stabil
Auch zwischen den Wirtschaftssektoren zeigen sich erhebliche Unterschiede. Der Informationssektor weist mit knapp 40 Prozent die höchste KI-Nutzungsrate auf, gefolgt von Finanz- und Versicherungsunternehmen mit gut 34 Prozent. Beide Werte liegen weit über dem nationalen Durchschnitt von knapp 20 Prozent. Im Detailhandel dagegen nutzen nur etwa 14 Prozent der Betriebe KI – und nur 17 Prozent planen dies für die nahe Zukunft. Diese Abstände zwischen Sektoren sind seit Dezember statistisch stabil geblieben.
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Die Befunde zeigen, dass der vieldiskutierte «AI Divide» messbare Realität geworden ist. Grosse Medienhäuser, Agenturen und Technologiefirmen bauen ihre KI-gestützten Workflows systematisch aus. Wer hingegen allein oder in kleinen Teams arbeitet – etwa freie Journalistinnen und Journalisten, Autorinnen und Autoren, Grafikerinnen und Grafiker – hinkt massiv hinterher. Das Census Bureau weitet seinen Survey derzeit auf 15 einzelne Geschäftsfunktionen aus, um die Nutzung noch differenzierter zu messen. Die Daten dürften zeigen, wo genau der Abstand wächst: nicht nur zwischen Grossen und Kleinen, sondern auch zwischen denjenigen, die KI als Werkzeug beherrschen, und denjenigen, die es nie gelernt haben.
Quelle: U.S. Census Bureau – Adam Grundy, Cory Breaux, Dhanapati Khatiwoda: «Large Firms With at Least 20 Employees Biggest AI Users»
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