Erfolgreiches Programmieren mit Künstlicher Intelligenz erfordert fundiertes Informatikwissen und eine präzise Ausdrucksweise. Das ist das Resultat einer Studie der ETH Zürich zum sogenannten Vibe Coding. Bei dieser Arbeitsweise erstellen Nutzer Software durch natürliche Spracheingaben ohne direkten Zugriff auf den Quellcode. Die Forschenden untersuchten an 100 Studierenden, welche Fähigkeiten die Qualität der Resultate massgeblich beeinflussen. Fachkenntnisse in Computerwissenschaften erwiesen sich dabei als wichtigster Faktor für den Erfolg.
Die Versprechen sind gross und vollmundig: Programmierer braucht es bald nicht mehr, weil sich jeder seine Software selbst kreieren kann. Ob Website, Buchhaltung oder Computerspiel – die programmierende KI solle auf Zuruf richten. «Vibe Coding» ist das Zauberwort: Der Anwender muss nicht verstehen, wie der Code im Detail funktioniert. Es reicht, wenn sich das Ergebnis richtig anfühlt, also der «der Vibe» stimmt. Doch ganz so einfach scheint es nicht zu sein. Das belegt jetzt eine Studie der ETH Zürich: Weiterhin sind Informatikkenntnisse für den Erfolg das entscheidende Kriterium. Schnödes Fachwissen hat den grössten Einfluss darauf, wie gut Teilnehmende Programmieraufgaben mit KI-Unterstützung bewältigen.
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Dieser Effekt bleibt auch bestehen, wenn allgemeine kognitive Fähigkeiten kontrolliert werden. Personen mit einem tieferen Verständnis für Programmstrukturen können der KI präzisere Anweisungen geben. Sie planen den Aufbau einer App strukturierter und beheben Fehler schneller. Sverrir Thorgeirsson, einer der Autoren der Studie, vermutet, dass Experten die Logik hinter der Software besser antizipieren.
Schreibkompetenz und Vibe Coding
Neben dem Fachwissen spielt die schriftliche Ausdrucksfähigkeit eine wesentliche Rolle. Wer klare und strukturierte Prompts formuliert, erzielt bessere Ergebnisse bei der Softwareentwicklung. Unpräzise Formulierungen führen hingegen häufiger zu fehlerhaften Programmen. Das Schreiben der Anweisungen wird so zu einer neuen Form des Codierens. Theo Weidmann, Mitautor der Studie, betont die Bedeutung von eindeutigen Instruktionen für die Funktionsfähigkeit der Anwendungen.
Überraschend schlecht schnitten Studierende ab, die im Alltag sehr häufig grosse Sprachmodelle nutzen. Diese Probanden zeigten schwächere Leistungen beim Verfassen von Texten und beim Vibe Coding. Die Studie stellt hier einen Zusammenhang fest, kann die genauen Ursachen aber noch nicht abschliessend klären. Möglicherweise schwächt die intensive Nutzung von KI-Tools die eigene Ausdrucksfähigkeit. Es ist jedoch auch denkbar, dass schreibschwache Personen diese Werkzeuge ohnehin häufiger einsetzen.
Quelle
Sverrir Thorgeirsson, Theo Weidmann, Zhendong Su, «Computer Science Achievement and Writing Skills Predict Vibe Coding Proficiency», CHI ’26, April 2026, https://doi.org/10.1145/3772318.3791666



