Die Künstliche Intelligenz ist für junge Erwachsene noch eine Randerscheinung als Nachrichtenquelle, doch der Trend zeigt steil nach oben. Wer sich mit KI informiert, klickt kaum mehr auf journalistische Quellen. Das gefährdet Reichweite und Einnahmen des Journalismus. Das zeigt eine Studie von Medienforscher Mark Eisenegger der Universität Zürich, präsentiert an der Abschlusskonferenz des Nationalen Forschungsprogramms NFP 77 in Bern. Zum ersten Mal sind dabei dabei die digitalen Informationsgewohnheiten von 18- bis 25-Jährigen in der Schweiz systematisch erhoben worden.
Die Befunde sind ernüchternd: Junge Erwachsene nutzen ihr Smartphone täglich rund 400 Minuten, davon 170 Minuten für soziale Medien. Für journalistische Nachrichten zu Politik, Wirtschaft, Kultur oder Sport wenden sie gerade mal sieben Minuten auf. «Das ist sehr wenig», kommentiert Eisenegger. Auf KI als zentrale Nachrichtenquelle greifen derzeit erst 18 % der Befragten regelmässig zurück, doch die Zahl wächst. Wer KI-generierte Antworten überfliegt, klickt in der Regel nicht mehr auf die verlinkten journalistischen Originalquellen.
Das Forschungsteam der Universität Zürich arbeitete mit einem mehrstufigen Methodenmix: Umfragen, Tracking-Apps, automatisierte Inhaltsanalysen und Fokusgruppen. Das Sample umfasste Schweizer Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Die Laufzeit des Projekts erstreckte sich von 2020 bis 2024.
Politisches Interesse als entscheidende Variable
Die Studie zeigt: Nicht Nachrichtenmenge allein beeinflusst politisches Wissen und Beteiligung, sondern der Inhalt. Wer zu einem konkreten Abstimmungsthema gezielt Nachrichten liest, weiss darüber messbar mehr. Allgemeiner Nachrichtenkonsum hingegen erhöht das politische Wissen nicht automatisch. Als zentrale Einflussgrösse identifiziert die Studie das politische Interesse: Wer sich für Politik interessiert, liest vielfältiger, weiss mehr und nimmt häufiger an Volksabstimmungen teil. Vor Abstimmungen steigt der Konsum journalistischer Nachrichten unter jungen Erwachsenen sichtbar an. Das ist ein Indiz dafür, dass Journalismus in demokratisch relevanten Momenten nach wie vor gefragt ist.
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Personen, die fast keine Nachrichten konsumieren, zeigen weniger Vertrauen in politische Institutionen und beteiligen sich seltener an Volksabstimmungen als Menschen, die regelmässig Nachrichten nutzen. Das unterstreicht die demokratiepolitische Funktion des Journalismus, auch für eine Zielgruppe, die ihn nur noch am Rande konsumiert.
Wachsende KI-Nutzung als strukturelles Risiko
Die Studie wurde am 28. Mai 2026 an der NFP-77-Abschlusskonferenz in Bern vorgestellt. Das Nationale Forschungsprogramm «Digitale Transformation» (NFP 77) wurde vom Bundesrat in Auftrag gegeben; rund 250 Forschende realisierten in fünf Jahren insgesamt 46 Projekte zu den Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Schweiz. Das Informationsverhalten junger Erwachsener gehört zu den meistdiskutierten Befunden der Abschlusskonferenz. Die Forschenden empfehlen, die Staatskunde in der Schule zu stärken und Medienkompetenz systematisch über die gesamte Schulzeit hinweg zu fördern.
QUELLE
Mark Eisenegger (IKMZ, Universität Zürich): «Die Bedeutung des Journalismus für das digitale Informationsverhalten junger Erwachsener» («The Relevance of Journalism in the Digital Information Repertoires of Young Adults»). NFP 77 – Nationales Forschungsprogramm «Digitale Transformation», Laufzeit 2020–2024. Präsentation: 28. Mai 2026, Medienkonferenz Bern.
Medienartikel: UZH News – «Wie seriös ist der News-Konsum junger Erwachsener?», 28.5.2026.



