Wer offenlegt, dass ein Nachrichtenbeitrag vollständig von einer KI produziert wurde, muss mit einem Vertrauensverlust rechnen. Ein Experiment in den USA zeigt allerdings, dass ausgerechnet jene Gruppen unbeeindruckt bleiben, die den etablierten Medien ohnehin am wenigsten trauen.
Estel Huh, Pascal Merz und Christian von Sikorski haben 1344 Personen in den USA einen 50-sekündigen Ausschnitt aus einer Sendung des vollautomatischen Senders Channel 1 vorgeführt. Der Beitrag behandelt den Klimawandel und wird von einem fotorealistischen, KI-generierten Moderator gesprochen. Die eine Hälfte erfuhr vorab, dass Inhalt und Moderator von einer KI stammen, und sah während des Clips das Label «AI-generated». Die andere Hälfte erhielt keinen Hinweis. Das Experiment war präregistriert, die Zuteilung erfolgte zufällig.
Mit Offenlegung sank die wahrgenommene Glaubwürdigkeit des Inhalts auf einer Siebenerskala von 4,76 auf 4,50, die des Moderators von 4,78 auf 4,50. Beide Unterschiede sind signifikant, aber klein (Cohens d = 0,17 respektive 0,19). Die Zustimmung zu den klimapolitischen Aussagen des Beitrags blieb unverändert.
Deutliche Reaktion bei Moderaten
Aufschlussreicher sind die Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Abwertung ging fast ausschliesslich auf Personen mit negativer oder mittlerer Einstellung zu KI zurück – 71,7 Prozent der Stichprobe. Wer KI positiv gegenübersteht, beurteilte beide Fassungen gleich.
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Entgegen ihrer Hypothese reagierten Konservative auf die Offenlegung gar nicht, bei Liberalen und Moderaten dagegen eine deutliche. Dasselbe Muster zeigte sich beim Thema selbst: Klimaskeptiker:innen blieben unbeeindruckt, während Personen mit moderater oder besorgter Haltung abwerteten.
Transparenz kostet wenig
Für Redaktionen folgt daraus zweierlei. Erstens ist der Preis der Transparenz tiefer als befürchtet. Die Effekte sind klein, und die Überzeugungskraft der Inhalte leidet nicht. Zweitens verteilt sich dieser Preis ungleich, und genau darin sehen die Autoren ein Risiko: Nicht deklarierte KI-Inhalte liessen sich gezielt an Publika richten, die ihre Herkunft am wenigsten hinterfragen. Ein binäres Label genügt deshalb nicht; die Autoren plädieren für abgestufte Angaben, die zwischen KI in der Recherche und KI in der Präsentation unterscheiden.
Einschränkend gilt: Die Stichprobe stammt von Amazon Mechanical Turk und ist deutlich besser gebildet als die US-Bevölkerung. Getestet wurde ein einziger Clip zu einem einzigen, stark polarisierten Thema. Ob sich die Befunde auf die Schweiz übertragen lassen, wo die Vertrauenslandschaft anders aussieht, ist offen.
Huh, E., Merz, P., & von Sikorski, C. (2026). How Americans evaluate fully AI-generated news presented by AI news anchors: The interplay of AI attitudes, political ideology, and prior issue attitudes. Computers in Human Behavior: Artificial Humans, 9, 100388. https://doi.org/10.1016/j.chbah.2026.100388




