Der «Spiegel» veröffentlicht künftig keine von Künstlicher Intelligenz verfassten oder umgeschriebenen Texte mehr. Das schreibt Chefredakteur Dirk Kurbjuweit in einem Meinungsbeitrag im «Spiegel». Damit begründet er eine Änderung der Redaktionsrichtlinien. Bislang lautete die Regel, dass Artikel nicht «massgeblich» von einer KI geschrieben werden dürften. Jetzt streicht der «Spiegel» das Wort «massgeblich». Die neue Haltung sei unmissverständlich: «Wir lassen unsere Texte nicht von einer KI schreiben oder umschreiben. Der ‹Spiegel› soll ein Fest von Menschen für Menschen bleiben.»
Dem Entscheid ging eine intensive Redaktionsdebatte voraus. In einer Freitagskonferenz diskutierten Redaktionsmitglieder zwei Stunden lang über das eine Wort «massgeblich», schreibt Kurbjuweit. Das Meinungsspektrum sei gespalten gewesen: Ein Kollege habe Journalist:innen künftig als eine Art TÜV gesehen, der im Wesentlichen überprüfe, was die KI erarbeite. Ein anderer habe geantwortet, er wolle nicht nur der TÜV sein – er wolle auch die Autos bauen. Die Gegenseite habe Technologieoffenheit und die Qualität KI-gestützter Inhalte ins Feld geführt.
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Kurbjuweit betont: Die Entscheidung sei kein Reinheitsgebot. Der «Spiegel» werde KI weiterhin nutzen – etwa beim Übersetzen, bei der Rechtschreibprüfung, beim Fact-Checking, bei der Auswertung grosser Datenmengen oder bei der Recherche. «Die KI hat kein Gemüt, keine Leidenschaft. Sie kann das vielleicht simulieren, kann uns in allem nachäffen, aber sie kann nichts empfinden», schreibt er zur Begründung der Grenzziehung. Ausnahmen sollen gekennzeichnet werden; die Richtlinien will die Redaktion regelmässig überprüfen.
Quelle: «Spiegel» 27/2026 – Dirk Kurbjuweit: «Wir sind die Autorinnen und Autoren unserer Texte»



