Mit viel Kreativität hat er «Tsüri.ch» zu einem erfolgreichen Medium entwickelt: Simon Jacoby

Mediennews

27.12.2025

Strategisches Gespür und viel Kreativität

Simon Jacoby hat «Tsüri.ch» gegründet – mit Erfolg. Ob das «Tsüri.ch»-Konzept auch in einer kleineren Stadt funktioniert, wird sich in Winterthur zeigen.

Von Bettina Büsser

Er hat ein neues Geschäftsmodell entwickelt, um Journalismus zu finanzieren: Simon Jacoby hat 2015 gemeinsam mit anderen Journalist:innen das Stadtzürcher Online-Magazin «Tsüri.ch» gegründet. Zehn Jahre nach dem Start existiert es nach wie vor, hat stark ausgebaut, liefert mehrere Newsletter, darunter jeden Werktag ein «Züri Briefing». Alles ist frei zugänglich. Ausserdem bietet «Tsüri.ch» Veranstaltungen und bezieht unter dem Konzept «Civic Media» seine Community stark mit ein – auch für Recherchen. Finanziert wird «Tsüri.ch» durch zahlende Mitglieder, Werbung, Events, Sponsoring und einen Onlineshop.

Jacoby ist heute Chefredaktor von «Tsüri.ch», leitet die Redaktion und ist für die Ausrichtung verantwortlich. Gleichzeitig ist er Co-Geschäftsleiter und Präsident des Verwaltungsrates. In diesen Funktionen sei er für das geschäftliche Wohlergehen und die strategische Zukunft von «Tsüri.ch» zuständig, so Jacoby: «Konkret: Budget im Auge behalten und das Geld sinnvoll einsetzen.»

Was ist der kreative Teil deiner Arbeit?

Wir standen mit «Tsüri.ch» in den letzten zehn Jahren immer mal wieder kurz vor dem Aus. Dann mussten wir als Team kreativ werden: Wie wollen wir auf vertretbare Art Geld verdienen? Ein Beispiel: Es hiess immer wieder, Crowdfundings seien nicht nachhaltig. Doch wir haben dank transparenter Kommunikation mit unserer Community hingekriegt, dass wir zweimal jährlich Crowdfundings machen können.

Oder ein anderes Beispiel: Wie schafft man es mit wenig Ressourcen, das Wachstum des Newsletters anzuschieben? Wir testen sehr viele Dinge aus, machen kreative Videos und messen dann genau, welches wie gut funktioniert.

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Wo braucht es beim Aufbau und bei der Finanzie­rung eines neuen Mediums Kreativität?

Etwas aus dem Nichts zu starten, braucht eine gute Geschichte: Warum braucht es das Medium? Worüber werden wir berichten? Was sind unsere Schwerpunkte? Warum sollen die Leute das unterstützen? Diese Geschichten zu entwickeln, braucht strategisches Gespür und viel Kreativität.

Welche Art von Kreativität braucht es, um ein Medium wie «Tsüri.ch» lebendig zu halten?

Stillstand ist der Tod einer jeden Organisation. Doch ständige Veränderung kann ein Team auch überfordern und verunsichern. Deshalb braucht es eine gute Balance und Dosierung von neuen Ideen. Kreativ sein kann man nur, wenn Veränderung grundsätzlich gewünscht ist. Deshalb sind wir bei «Tsüri.ch» sehr offen für neue Ideen.

«Tsüri.ch» ist Mitglied des Verbands Medien mit Zukunft – Jacoby ist Vizepräsident – und tauscht sich mit anderen Medien aus, etwa mit «Bajour» in Basel und der «Hauptstadt» in Bern. Im April dieses Jahres ist «WNTI», das neue digitale Stadtmagazin für Winterthur, dazugekommen: «Tsüri.ch» hat gemeinsam mit dem Verein für Winterthurer Medienvielfalt die Verlag Achtvier GmbH gegründet, welche «WNTI» herausgibt. «‹Tsüri.ch› unterstützt uns mit seinem Fachwissen rund um die Medienwelt, Business-Modelle und vieles mehr», schreibt «WNTI» auf seiner Webseite. «Jetzt wird sich zeigen, ob unser Konzept auch in einer viermal kleineren Stadt als Zürich funktioniert», sagt Jacoby.

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