Die Tamedia-Redaktionen rufen ihre Mitarbeitenden, Leserinnen und Leser sowie alle Journalismusinteressierten zu einer Protestaktion auf. Hintergrund ist der Anfang Oktober angekündigte Stellenabbau von rund 34 Vollzeitstellen, der insgesamt 41 Mitarbeitende betrifft. Das geht aus einem Communiqué der Tamedia-Redaktionen hervor. 30 dieser Vollzeitstellen und damit der Grossteil sollen im publizistischen Bereich abgebaut werden. Die Protestaktion findet am Dienstag, 20. Oktober, um 12 Uhr vor dem Tamedia-Gebäude an der Werdstrasse in Zürich statt.
Die Tamedia-Redaktionen bezeichnen den Stellenabbau als siebte Entlassungswelle innerhalb von sechs Jahren. Störend sei, dass der Abbau ohne Konsultation oder Freiwilligenprogramm angekündigt wurde. Innert weniger Stunden unterschrieben 270 Mitarbeitende einen Brief, in dem sie ein Konsultationsverfahren fordern. Die Geschäftsleitung lehnte dieses Anliegen aber ab. Sie wolle den Betroffenen rasch Klarheit geben, liess die Geschäftsleitung verlauten, und verwies auf den raschen Medienwandel.
An einer gemeinsamen Personalversammlung der Standorte Bern, Basel und Zürich stellten die Redaktionen drei Forderungen. Sie verlangen einen sofortigen Kündigungsstopp und ein Konsultationsverfahren, das freiwillige Abgänge einschliesst. Ausserdem fordern sie personelle Konsequenzen für die Geschäftsleitung. Im Communiqué heisst es: «Bislang musste stets die Belegschaft den Kopf hinhalten für falsche Strategieentscheide.» Die Redaktionen fordern zudem, dass Tamedia in menschengemachten Journalismus investiert statt auf KI-generierten Content.
Investition in Qualitätsjournalismus gefordert
Die Redaktionen begründen ihre Haltung zur KI mit dem Verhalten des Publikums. Die Leserinnen und Leser seien nicht bereit, für KI-generierten Journalismus zu bezahlen, und misstrauten ihm mehrheitlich. Daran würden auch technologische Verbesserungen nichts ändern. Die Romandie-Redaktionen schliessen sich den Forderungen an. Sie kritisieren insbesondere die fehlende Dialogbereitschaft der Geschäftsleitung, die jegliche Verhandlungen ablehne.
Der Berufsverband Impressum und die Gewerkschaft Syndicom haben sich ebenfalls zu Wort gemeldet. Impressum kündigte Solidaritätsaktionen an. Syndicom will sich für den Erhalt der Stellen und einen besseren Sozialplan einsetzen. Die Tamedia-Redaktionen behalten sich weitere Schritte vor, sollten ihre Forderungen ungehört bleiben.
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