«The Economist» experimentiert mit strukturierten Versionen von Inhalten speziell für die KI ausserhalb der Bezahlschranke. (Edito/mz/Claude/ChatGPT)

Handwerk  Künstliche Intelligenz (KI)

KI-Strategie für Agenten | 23.05.2026

«The Economist» verdoppelt die Website

Das Web spaltet sich auf: eine Version für menschliche Leser, eine für KI-Agenten. Für Verleger aller Grössen stellt sich damit dieselbe Frage: Wer nicht für Agenten auffindbar ist, wird unsichtbar. «The Economist» bereitet sich als eines der ersten renommierten Medienhäuser strategisch auf diese Zweiteilung vor: Der Verlag testet derzeit agentenlesbare Versionen ausgewählter Inhalte.

Konkret experimentiert «The Economist» mit strukturierten Versionen von Inhalten, die bereits ausserhalb der Bezahlschranke liegen, vor allem Marketing- und B2B-Verkaufsseiten. Diese Seiten werden gezielt für KI-Systeme wie ChatGPT, Gemini oder Claude aufbereitet. Josh Muncke, VP of Generative AI bei The Economist Group, beschreibt gegenüber «Digiday» das Ziel so: Agenten bevorzugen «klare Strukturen, Fragen und Antworten, idealerweise reinen Text», keine Karussells oder Bildstrecken. Daraus folgt eine parallele Struktur: visuell aufwendige Seiten für Menschen, schlicht strukturierte Q&A-Formate für Maschinen. Laut Muncke ist agentenlesbarer Inhalt mittlerweile «Teil des Go-to-Market-Plans, kein Nebenprojekt».

Dabei bleibt der Verlag vorsichtig. Als Abonnementmedium muss «The Economist» genau abwägen, welche Inhalte ausserhalb der Paywall maschinenlesbar verfügbar gemacht werden können, ohne den Abonnementwert zu untergraben. Alle laufenden Versuche beschreibt Muncke als «erste, tastende Experimente», die intern erprobt werden, um «nicht nur Genauigkeit und Leistung, sondern auch Klang und Ton» zu testen, bevor etwas breiter eingesetzt wird.

Maschinenlesbarkeit als Pflichtaufgabe

Dass «The Economist» diesen Schritt macht, hat auch strategische Gründe jenseits der Technik. Ein wachsender Anteil von B2B-Käufern beginnt seine Recherche heute direkt in KI-Systemen statt in Suchmaschinen. Wer dort nicht sauber auffindbar ist, verliert Sichtbarkeit. Alessandro De Zanche, Gründer der Medienberatung ADZ Strategies, sagt gegenüber «Digiday»: «Agent Optimization ist eine defensive Grundvoraussetzung. Jeder Qualitätspublisher wird eine solche Lösung bauen – die Alternative ist technische Unsichtbarkeit.» Gleichzeitig warnt er vor Verwechslungen: Agenten fördern Auffindbarkeit, bringen aber keine Bindung. «Vertrauen, das vom Publikum kommt, trennt letztlich die Publisher, die überleben, von jenen, die verschwinden.»

Quelle: «Digiday» – Jessica Davies: «The Economist prepares for a two-track internet: one for humans and one for AI agents»

Link: https://digiday.com/media/the-economist-prepares-for-a-two-track-internet-one-for-humans-and-one-for-ai-agents/

Werbung

Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

* = erforderlich

 

Edito exklusiv

Edito-Academy: Webinar

 

Praxisnahe Weiterbildung rund um KI, Tools und digitale Trends auf der neuen Plattform

 

academy.edito.ch

Werbung
EDITO en français
Aktuelle Ausgabe